Das Paradox der Parteikarte und der moralische Verfall der Parteimitglieder nach dem 14. Parteitag?

Am 9. Februar 2026 unterzeichnete Herr Trần Cẩm Tú, Ständiger Sekretär des Zentralkomitees, die Verordnung Nr. 06, die Parteimitgliedern offiziell untersagt, ihre Parteikarte als Pfand zu hinterlegen oder zu verpfänden, um Geld zu leihen.

Dies hat in den sozialen Netzwerken heftige Debatten über den Zustand von Moral und Finanzen innerhalb der Kommunistischen Partei Vietnams (KPV) ausgelöst.

Ein Verwaltungsdokument, das die Partei schützen soll, legt unbeabsichtigt eine schonungslose Realität offen: Karten, die einst dazu dienten, über Resolutionen abzustimmen, die das Schicksal der Nation betreffen, werden nun zu Sicherheiten in Pfandleihhäusern.

Wie staatliche Medien berichten, handelt es sich nicht um ein neues Phänomen, doch die Schwere nimmt innerhalb der bewaffneten Kräfte zu – jener Institutionen, die als „Schwert und Schild“ des Regimes gelten.

So wurde etwa 2016 ein Polizeioberleutnant bekannt, der seine Parteikarte verpfändete, um 200 Millionen Đồng zu leihen; 2019 „hinterlegte“ ein Leutnant in Trà Vinh seine Parteikarte, um 50 Millionen Đồng zu erhalten; und zuletzt wurde 2021 ein Verkehrspolizist disziplinarisch bestraft, weil er in ähnlicher Weise gehandelt hatte.

In der Öffentlichkeit stellt sich die Frage: Warum besitzt eine Parteikarte, die eine so wichtige politische Bedeutung hat, überhaupt einen derart hohen Wert, dass sie gegen große Bargeldsummen „eingetauscht“ werden kann?

Beobachter meinen, dass die Parteikarte in einem System mit Führungsmonopol nicht nur ein Mitgliedsausweis ist, sondern zugleich eine Art „Passierschein“, der Privilegien, Ämter und Möglichkeiten zum Geldverdienen eröffnet.

Gläubiger sind bereit, Parteikarten als Pfand anzunehmen, weil sie wissen: Um Dienststatus und berufliche Position zu schützen, wird der Schuldner um jeden Preis versuchen, das zurückzukaufen, was als seine „politische Lebenslinie“ gilt.

Dies ist ein besorgniserregendes Zeichen für das Erschöpfen von Idealen – und zugleich der deutlichste Ausdruck dafür, dass politische Macht marktförmig gemacht und zur Ware wird.

Eine Ära des Aufbruchs einer Nation kann nicht auf Parteikarten beruhen, die „versetzt“ werden, um persönliche Schulden jener zu begleichen, die den Staatsapparat steuern.

Hong Linh – Thoibao.de