Warum sollte der Blick der Stadtverwaltung in Vietnam nach unten gerichtet sein statt nach oben?

Am Morgen des 17. September 2026 verwandelte ein heftiger Regenguss, der genau zur Hauptverkehrszeit über Hanoi niederging, viele der wichtigsten Verkehrsadern der Stadt in riesige Parkplätze.

Nach Berichten der staatlichen Medien kam es auf wichtigen Verkehrsadern wie Láng, Trung Kính, Nguyễn Trãi, Trần Duy Hưng oder Nguyễn Chí Thanh zu schweren Verkehrsstaus.

Die Bilder von Menschen in Regenjacken, die ihre Motorräder mühsam Zentimeter für Zentimeter voranbewegten, führten dazu, dass viele fast zwei Stunden lang unter extrem beschwerlichen Bedingungen unterwegs waren und ihren Arbeitsplatz dennoch nicht erreichen konnten.

Bilder von chaotischem Verkehr und Überschwemmungen in den Innenstädten sind zwar nichts Neues mehr, doch die zunehmende Häufigkeit und Schwere dieser Probleme in den beiden Zentren Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt werfen große Fragen hinsichtlich der Planungsphilosophie der vietnamesischen Führung auf.

 

Beobachtern zufolge scheinen sich die großen Städte unter der Führung des Generalsekretärs und Staatspräsidenten To Lam und der derzeitigen Regierungsführung zu sehr auf das Ziel zu konzentrieren, „immer höhere Gebäude zu errichten“, und dabei die Modernisierung der Infrastruktur direkt vor ihrer Haustür zu vernachlässigen.

Die Dichte an Hochhäusern und Wohnblöcken nimmt stetig zu, während die für Straßen und Entwässerungssysteme vorgesehene Fläche nicht Schritt halten kann, was, wie zu sehen ist, zu einer enormen Überlastung führt. Bei starken Regenfällen zeigt sich sofort die Unzulänglichkeit der unzureichenden Entwässerungskapazitäten.

 

Die unausgewogene Stadtentwicklung, die sich einseitig auf Hochhausprojekte konzentriert, dabei aber die Planung des unterirdischen Raums und des öffentlichen Nahverkehrs vernachlässigt, hat die Bevölkerung in eine äußerst schwierige und beschwerliche Lage gebracht.

Die Erschöpfung der Menschen, die sich in diesen Tagen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt auf den Straßen bewegen, ist eine Warnung an die Stadtverwaltungen und die Zentralregierung.

 

Es ist an der Zeit, dass die Führungskräfte auf allen Ebenen ihre Vision der Stadtverwaltung weniger „in den Wolken“ und „im Wind“ schweben lassen, sondern ihre hochfliegenden Projekte auf den Boden der Tatsachen zurückholen. Damit das Problem der Überschwemmungen und Verkehrsstaus endgültig gelöst und eine minimale Lebensqualität für die Bevölkerung gewährleistet werden kann.

Hong Linh – Thoibao.de